Good Days in Vietnam.

Seit Juni 2017 können deutsche Staatsangehörige für 14 Tage visafrei in Vietnam einreisen.* Zwei Wochen klangen für mich nach einem guten Zeitraum und somit war die Dauer meines Aufenthalts vorgegeben – klar ist mir heute: zwei Wochen vergehen so schnell, dass ich im Nachhinein gerne mehr Zeit gehabt hätte für dieses schöne Land in Asien (oder alternativ eine getaktetere Reiseroute).

In jedem Fall ist Vietnam ein Land, von dem man gefühlt schon sehr viel, sehr oft gelesen und gesehen hat und in dem man nach der Ankunft dann erkennt, dass man eigentlich keine Ahnung hat. Eben von diesem Land, von den Menschen die hier leben und von den Dingen die hier wichtig sind. Und so zieht man dann mit aufgeregtem brizzeln im Magen los, um dieses Land und seine Leute für sich zu entdecken. Meine Entdeckungsroute von Süd nach Nord im Kurzüberblick:

  1. Hoh Chi Min City: Um entspannt einmal alles gesehen zu haben reichen zwei Tage – wer lieber noch ein paar Cafés mehr entdecken mag um sich von den zahlreichen Shoppingmöglichkeiten zu erholen, bleibt drei.

  2. Mũi Né: Ganz nach (Meer-)Bedarf kann ein Aufenthalt hier zwei Tage oder zwei Wochen dauern. Außer strandeln kann man ein paar Sanddünen in rot oder weiß ankucken oder sportlich sein und Kite- oder Windsurfen.

  3. Hội An: Ein Tag reicht um einmal durch die charmante Altstadt zu schlendern. Wer sich Kleidung schneidern oder Schuhe schustern lässt, muss die Herstellungstage entsprechend einplanen.

  4. Hanoi: Nach einem Tag Erkundungstour hat man die Sehenswürdigkeiten durch. Länger bleiben kann man trotzdem: um die kleinen Gassen und teilweise langen Straßenzüge zu entdecken, die sich einem speziellen (Einkaufs-)Thema widmen.

  5. Halong Bucht: Anbieter gibt es unzählige und von der mehrtägigen Luxusfahrt bis zum Billig-Tagestrip kann man alles machen. Bei meiner Zweitagestour war zum Beispiel auch eine Wanderung im Cát Bà Nationalpark dabei.

… und in der Langversion:



Ho Chi Minh City

Das beeindruckendste (und zeitgleich zu Beginn furchteinflößendste), was einem vom ehemaligen Saigon (das zu Ehren des „Onkel Ho“ 1976 in Ho Chi Minh (HCM) umbenannt wurde) in Erinnerung bleibt, ist der unglaubliche Verkehr. Wenn der Gehsteig zur Feierabendzeit eine eigene Fahrbahn wird und die Roller vor, neben und hinter einem entlangdüsen, ist man erstmal überfordert. Aber: eine Lücke kommt irgendwann immer – und dann geht man einfach los und überquert spätestens nach der fünften Kreuzung jede neue mit gleichgültig professionellem Schulterzucken.

Neben diesem unglaublichen Verkehr, den man sich nicht vorstellen kann, bis man ihn selbst erlebt hat, bietet HCM aber noch mehr: 70er Jahre Prachtbauten, eine Menge Shoppingcenter und daneben bezaubernde kleine Shops und Boutiquen, in denen man viel Geld ausgeben kann. Zudem gibt es eine umfassende Kaffeekultur (die mich unvergleichlich glücklich und ein wenig abhängig gemacht hat) mit so vielen netten kleinen Cafés, dass sie manchmal sogar ganze Hochhäuser einnehmen und  natürlich darf man das leckere Essen an jeder Ecke nicht vergessen.

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Sehenswert: Für Bling-Bling und alles mögliche andere: Bến Thành-Markt (Lê Lợi, Bến Thành, Quận 1) für Geschenke kann man auch ins Saigon Kitsch schauen (43 Tôn Thất Thiệp, Bến Nghé, Quận 1) oder sich im L’Usine teurere Stücke ankucken. Den Palast der Wiedervereinigung (135 Nam Kỳ Khởi Nghĩa, Phường Bến Thành, Quận 1) sollte man sich nicht entgehen lassen und auch das War Remnants Museum und das Saigon Skydeck lohnen sich für einen Besuch.

Für den Hunger:

Superleckere Phở gibt es von morgens bis ca neun Uhr abends hier: Phở Hang Van,

Bun Cha samt Essensanleitung: Bun Cha 145, 145 Bùi Viện, Phường Phạm Ngũ Lão, Quận 1. Ein Mini-Laden inmitten der Backpackerstraße mit wenig Sitzgelegenheiten, weshalb man hier zu Stoßzeiten Schlange stehen muss.

Das tollste versteckte Restaurant HCMs, der Secret Garden war so secret, dass ich zunächst dachte, ich hätte mir die Adresse falsch aufgeschrieben. Am Ende aber: einfach einmal ganz nach oben im Treppenhaus des Wohnhauses und dann seid ihr da: Top Floor, 158 Pasteur, Bến Nghé, Quận 1.

Für den Kaffeedurst: Das The Note Café (gibt es auch in Hanoi), das Café-Apartment-Hochhaus (42 Nguyễn Huệ, Bến Nghé, Quận 1), Vietcetera Cafe oder ein Päuschen zwischen Asiatischen Hipstern im Workshop Coffee (27 Ngô Đức Kế, Bến Nghé, Quận 1).



Mũi Né

Vom ehemaligen Fischerdörfchen ist hier schon lange nichts mehr übrig: Mũi Né ist eher eine lange Straße, die auf der einen Seite Unterkünfte mit und auf der anderen Unterkünfte ohne Strandzugang hat. Dazwischen gibt es Supermärkte und Restaurants mit einem beachtlichen Anteil an rein kyrillischen Bezeichnungen, da sich die Anwohner auf die vorwiegend russischen Touristen spezialisiert haben – wer russisch kann, hat daher fast schon einen Heimvorteil. Dennoch: wer einfach nur ein paar Tage am Strand verbringen mag: das kann man hier ganz gut.

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Sehenswert:

Fairy Springs: nach einem kurzen Spaziergang von ca. 15 Minuten gelangt man an einen kleinen aber feinen Wasserfall.

Rote Sanddünen: sieht man schon bei den Fairy Springs – gibt es aber zum Beispiel im Rahmen einer Jeeptour nochmals in groß.

Weiße Sanddünen: dieses Highlight der Region kenne ich nach wie vor nur von Fotos. Da ich mich bei der Tourbuchung im Hotel nicht erkundigt hatte, was alles inkludiert ist und wir in einiger Entfernung von den Dünen angehalten haben und aufgefordert wurden, gegen einen Aufpreis auf ein Squad zu steigen um zu den Dünen gefahren zu werden hatte ich damals schlicht zu wenig Geld dabei. Die Dünen sollen aber lohnenswert sein.



Hội An

Das ist ein bezauberndes kleines Örtchen, indem man vor allem eines machen kann: einkaufen. Und zwar maßgefertigte Kleidung und Schuhe – wirklich in jedem zweiten Haus sitzt ein Schneider oder Schuster, der einem seine Dienste anbietet. Und wenn am Abend die Laternen beginnen zu leuchten, für die Hội An auch bekannt ist, entfaltet die Altstadt seinen vollen Charme. Da die historische Altstadt außerdem zu bestimmten Zeiten am Morgen, Nachmittag und Abend für den motorisierten Verkehr gesperrt ist, ist ein Einkaufsbummel hier absolut entspannt.

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Für den Hunger: es gibt ein paar Gerichte, die es so nur Hội An zu probieren gibt. Probiert habe ich Cao Lau (Hội Anische braune Nudeln mit spezieller Soße), Banh Bao (oder auch „White Roses“) – das sind gefüllte Teigtaschen in Form einer Rose und auch sehr lecker: Hoanh Than: frittierte Wan Tan.



Hanoi

War in Erdkunde meine Lieblingshauptstadt. Warum? Weil „Ha Noi“ in meinem heimischen Dialekt eine oft gesagte Aussage ist und ich sie mir so sehr einfach merken konnte. Und das hatte mich damals zwar irritiert, warum die Vietnamesen ihrer Hauptstadt so eine deutsche Bezeichnung geben, aber: ich fand es sehr nett von Ihnen. Heute weiß ich, dass die Schwaben nicht der Namensgeber waren – schmunzeln musste ich aber dennoch, als ich hier angekommen war. Was ich ab jetzt mit  Hanoi in verbinde ist hauptsächlich Essen:

Und daneben die zahlreichen verwinkelten Straßen der Altstadt, in denen man voller Staunen aus der Brillen-, in die Schuh- und auf die Kleidungsgasse gelangt. Denn hier sind die einzelnen Straßen jeweils einem Einkaufsthema gewidmet. Und so kann man sich hier einfach dem Trubel hingeben und schlendern, den vietnamesischen Damen leckeres Essen abkaufen oder in einem der vielen Lokale Pause machen. Dazwischen gibt es dann lehrreiche Museen wie das Women’s Museum oder einige Tempel, wie zum Beispiel den Literaturtempel, zu besichtigen und bestaunen.

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Ansehen:

Vietnamese Women’s Museum: eines der Museen, aus denen man mit neuem Blick auf die Welt hinausschreiet. Sehr informativ und ansprechend aufbereitet – ich vermute aber, mit einem Audio-Guide kann man noch ein wenig mehr Informationen für sich daraus ziehen: http://www.womenmuseum.org.vn

Bei Hunger und / oder Durst:

Bún Bò Nam Bộ: Das ist quasi ein Nudelsalat mit Rindfleisch – Stadtbekannt ist das gleichnamige Restaurant: 67 Hàng Điếu, Cửa Đông, Hoàn Kiếm

Rotis: das sind superleckere Milchbrötchen, die es bei King Roti (34 Hanggai, Hoankiem, Hanoi, 34 Hàng Gai, Hoàn Kiếm) mit verschiedenen Füllungen wie Vanille, Matcha oder Kaffee/Schokolade gibt – und das immer frisch und noch warm aus dem Ofen. War so lecker, dass ich jeden Tag (mindestens) eins gegessen habe.

The Hanoi Social Club: Könnte genau so auch in Berlin zuhause sein – das Essen ist entsprechend auch mehr westlich als asiatisch. Aber: lecker, cool und chillig und einfach mindestens einen Besuch wert. (6 Ngõ Hội Vũ, Hàng Bông, Hoàn Kiếm).

Loading T Cafe: 2nd Floor, 8 Chân Cầm, Hàng Trống, Hoàn Kiếm. Ein wenig versteckt, ein wenig abgerockt und einfach toll für ein Päuschen zwischendurch.

Báhn Mi: gibt es an jeder Straßenecke – mit dem Báhn Mi25 gibt es einen ganzen Laden dafür: 25 Hàng Cá, Hàng Bồ, Hoàn Kiếm.

Und für den Kaffeeschub zwischendurch lässt es sich im Cong Cafe sehr gut entspannen. Davon gibt es in der ganzen Stadt verteilt einige Filialen – am besten hat mir diese gefallen: 2 Lê Phụng Hiểu, Tràng Tiền, Hoàn Kiếm. (Der Eingang befindet sich versteckt direkt neben einem kleinen Buchladen).



Halong Bay

Diese Bucht ist vermutlich Bestandteil jeder Reise nach Vietnam – das gemächliche schippern zwischen den Karstfelsen ist aber auch einfach toll. Nicht so toll ist all das Plastik, das neben den vielen Booten schwimmt – da die Faszination über diese grandiose Landschaft aber überwiegt, lohnt sich ein Ausflug hierher in jedem Fall. Auch bietet es sich an, im Nationalpark von Cát Bà eine Wanderung zu machen um so einen Blick in die Vergangenheit zu werfen: ohne Wasser sah auch die Halong Bucht vor ein paar tausend Jahren so aus.

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*Stand Dezember 2017 war das noch der Fall – ein Check der aktuellen Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes sollte aber zum Standardprogramm einer jeden Reisevorbereitung gehören. Und was leider zumeist weder in den Reiseführern noch auf den Seiten des auswärtigen Amtes zu finden ist: oft muss man auch bei Visafreiheit oder langen Aufenthaltsgenehmigungen eine Ausreise vorzeigen können – so auch in Vietnam. (Ansonsten muss man panische Minuten bei der Einreise überstehen).

 

2 Gedanken zu “Good Days in Vietnam.

  1. rajahbrooke schreibt:
    Avatar von rajahbrooke

    Ha noi 😀 sehr schön! Vielen Dank für die Infos und die tollen Bilder, vor allem auch die auf Flickr, ich mach das ganze grad andersrum, also von Norden nach Süden. Offenbar war das Wetter im Norden bei dir genauso toll wie bei mir. Ich bin jetzt grad in der Mitte und gespannt auf alles, was noch kommt!
    LG aus Da Nang

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