Jahresabschluss.

Für mich ist der – antizyklisch – nämlich heute. Mit Absicht außerordentlich gewählt – einfach, weil ich das gerne mache. Besetzten Daten eine individuelle Zuordnung geben. So wie der Valentinstag für mich nie der Valentinstag sein wird, sondern für alle Zeit das Datum an dem ich einst meine Bachelorthesis abgegeben habe und nach München gezogen bin. Und darum also. Geht für mich heute 2017 zu Ende.

Ein Jahr, in dem ich am mit Sicherheit kältesten Morgen des Jahres den Sonnenaufgang auf der Karlsbrücke in Prag angesehen habe und im Gegenzug einen anderen – furchtbar warmen – auf Gili Air erleben durfte. Eines, in dem ich Entscheidungen getroffen habe, wieder zurückgenommen habe und danach irgendwann plötzlich sehr sicher war, das erstere doch richtiger war. Eins, in dem ich alte Freunde auf fernen Kontinenten wiedergefunden habe und dafür auf dem Heimatkontinent welche habe gehen lassen und dort zugleich neue gefunden habe.

Eines, in dem ich zwei Mal den Frühling erlebt habe und den Herbst auch doppelt mitgenommen habe und dafür den deutschen Sommer verpasst habe. Eines, in dem ich über unzählige Schatten gesprungen bin. Eines, in dem ich viel gelernt habe, in dem ich oft frustriert war, in dem ich viel geweint und so oft gezögert habe und eines, in dem ich vor lauter Müdigkeit eine Zeit lang nicht mehr ohne Matetee leben konnte. Eines, in dem ich erkannt habe wie viel es noch zu lernen gilt und wie gerne ich spanisch sprechen würden könnte und mir selbst eingestehen musste das Sport tatsächlich ein guter Ausgleich ist und irgendwann doch auch irgendwie tatsächlich Spaß macht und dazu gehört.

Eines in dem ich überschwänglich glücklich war und viel gelacht habe und zugegriffen habe, als sich Chancen aufgetan haben.

Eines, in dem mir häufig gesagt wurde, wie mutig ich bin – obwohl ich mich selbst doch meistens so häufig unendlich mutlos gefühlt habe. Und eines, in dem mir einmal gedankt wurde, für meine Energie und ich dadurch erkennen musste, dass die tatsächlich also doch noch da ist obwohl ich sie selbst schon so lange nicht mehr im Spiegel gesehen hatte.

Eines in dem ich neue Hobbies kennengelernt habe wie die Fotografie. Eines in dem ich viel gereist bin und dabei verstanden habe, dass man Probleme immer mit im Gepäck hat – obwohl man sie zuhause lassen wollte. Eines in dem ich endlich mal wieder auf einem Festival getanzt habe. Eines, in dem ich unzählige Sprachnachrichten verschickt habe die im Nachgang keiner außer den Beteiligten mehr lustig fand („BAAAAAASCHTIIIII!“). Eines, in dem ich zeitweise machtlos auf dem Boden lag um am Tag darauf einen persönlichen Mount Everest zu erklimmen. Eins, in dem ich betrunken auf die Knie gefallen bin um später nüchtern wieder aufzustehen.

Eines, in dem ich erkannt habe, wie großherzig ich bin und wie schön es ist, sich für andere freuen zu können obwohl man gerade selber gerne eine Portion Glück abbekommen möchte. Und eines, in dem ich mir selber irgendwann eingestehen musste, dass dieses Geben gar nicht grenzenlos ist, weil ich tief in meinem Herzen dafür doch irgendwann auch immer eine Gegenleistung erwarte.

Eines, in dem ich nach plötzlichen und unerwarteten Tränen in einen Flieger gestiegen bin um nach einem zweiten Flug am anderen Ende der Welt wieder auszusteigen. Wodurch ich die bisher schönste Geburtstagsüberraschung meines Lebens haben durfte und – ganz weit weg – ganz nah dran war, an den Zuckermenschen die zuhause geblieben waren und die dennoch jeden Tag mit dabei waren auf Entdeckungstour (ein HOCH auf die Gang.). Einfach, weil man auch Menschen mit in seinem Gepäck hat, obwohl man sie gar nicht immer sehen kann.

Ein Jahr, in dem ich konsequent war und meinen Job gekündigt habe ganz ohne zu Beginn auch nur ansatzweise eine Idee von einem Neubeginn zu haben und eins, in dem ich genau darüber gestolpert bin und doch weitergemacht habe. Einfach, weil eines daran nie unsicher war: das es richtig ist. Und eins, in dem ich durch diesen Schritt erkennen konnte, wie gut ich meinen Job bis dahin gemacht habe und wie sehr genau das an unerwarteter Stelle gesehen wurde.

Eines, in dem ich erkannt habe, wie groß die kleinen Kleinigkeiten sind und wie wichtig manche Gesten und wie unbezahlbar die Menschen sind, die einem eben diese kleinen, unbezahlbaren Momente schenken. (Ich hätte mein Luftballon-Geschenkt-bekommen-Gesicht auch sehr gern gesehen)

Eins, das heute mit einem Paukenschlag eines (grandiosen) Abschiedstages zu Ende ging. An dem ich Kollegen Lebewohl gesagt habe und Freunden Auf Wiedersehen.

In Summe also eigentlich ein grandioses Jahr, dieses 2017. Und ab morgen heißt es also: willkommen nächstes Jahr. Und vor allem: willkommen, Abenteuer! (#dieneuenina – [mal sehen, wie gut wir uns verstehen].)


(‚Cause I’m leavin‘ on a jet plane – Don’t know when I’ll be back again).

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