Tief durchatmen auf Gili Air.

Schon vor  meiner Reise nach Indonesien klingelten mir bei „Gilis“ die Ohren. Zum einen weil man an denen kaum vorbeikommt, wenn man sich mit Bali beschäftigt, zum anderen weil jeder dem ich erzählt habe, nach Bali zu fahren dann direkt im Anschluß meinte: und die Gilis? Du fährst doch auch auf die Gilis? Die Folge daraus war, dass diese Gilis beinahe automatisch auf meine Reiseliste kamen. Die Auswahl zwischen den drei kleinen Inseln direkt vor Lombok fiel mir relativ leicht: die größte wollte ich nach dem Touristen HotSpot Bali nicht, da ich mir dachte, einen mehr nicht unbedingt zu benötigen, die kleinste habe ich aufgrund der damit einhergehenden Möglichkeiten ausgeschlossen – so blieb die mittlere: Gili Air. Die ja schon klingt, als könnte man hier zur Ruhe kommen, durchatmen und Pause machen an Palmenumsäumten weißen Traumstränden.

Entgegen Bali ist Gili Air merklich muslimisch geprägt: die meisten einheimischen Frauen sind verschleiert, in der Zeit meiner Anwesenheit wurde von vielen Familien der Ramadan zelebriert und nachdem mich der abendlichen Gebetsruf des Muezzin am ersten Abend noch leicht verwirrt hat aufhorchen lassen, war er ab dem zweiten Abend fester Bestandteil beim Nach-Sonnenuntergang Heimweg.

Genau daneben und drum herum gibt es auf Gili Air dann einen nicht gerade geringen Tourismus, der in den letzten Jahren immer umfassender wurde und der sich rund um das kleine Inselchen verteilt. An fast jedem Strand steht Tauchschule neben Tauchschule, Bar an Bar und Restaurant an Restaurant, in denen man eigentlich immer einen tollen Ausblick direkt auf das wunderschöne Meer hat (aber bei denen der Strand dann eben dem Lokal zum Opfer gefallen ist). Wem es gefällt, direkt vom Strandtuch aus den nächsten Cocktail zu bestellen, wird hier definitiv glücklich. Rund um diese Hauptstraßen sieht man zumeist Touristen, die im Bikini durch die Straßen flanieren und sich mit nasser Badehose in das nächste Restaurant setzen – gemischt mit den Einheimischen mitten im Ramadan war das für mich Tag für Tag irgendwie ein eigenartiges Bild. Atemholen-Strände habe ich so nur wenige ganz oben im Nordwesten gefunden: hier gibt es noch ein paar unbebaute Strandabschnitte, an denen man sich ungestört fläzen kann. Die Betonung liegt hier allerdings auf „noch“, denn auch hier wird bereits an den nächsten Urlaubs-Bungalows gebaut.

Dennoch ist Gili Air ein Ort zum ausruhen und entspannen, am meisten hilft hier die Ruhe auf der Insel. Da es keine Autos und auch so gut wie keine Roller gibt (in meinen vier Tagen auf der Insel kamen genau zwei an mir vorbei) sind die meisten Leute mit Fahrrädern oder Pferdekutschen unterwegs und es ist so ruhig und still, dass man morgens mit dem Geräusch des Meeresrauschens aufwachen kann (gut, sicher hat hier auch die Nähe meiner Unterkunft zum Meer eine Rolle gespielt). In Summe hatte die markante Mischung aus Gebetsruf, Meeresrauschen und zahlreichen Grillen, die mich allabendlich auf der Radlfahrt nach Hause begleitet hat, etwas derart beruhigendes und erdendes wie ich es schon lange nicht erlebt habe. (Und das ganz ohne „Mushrooms“, die in vielen Bars rund um die Hostels auf der Insel angepriesen werden).

4 Gedanken zu “Tief durchatmen auf Gili Air.

  1. rabenzahn schreibt:
    Avatar von Rabenzahn

    Ich war vor ca. 25 Jahren auf den Gilis, auf Trawangan und auf Meno. Von Tourismus war damals noch nicht viel zu sehen. traumhafte Ruhe und Leere mit wenigen netten Restaurants. Sich vor Gili Trawangan schnorchelnderweise von der Strömung über die Korallen treiben lassen, das war mein Highlight. Unsere Hütte auf Meno hatte leider nur ein Mandi mit Salzwasser, und es waren viel Mücken unterwegs…

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