Jahresabriss: 2018

Aus allen Emotionen, Erlebnissen, Konzerten, Gesprächen und Reisen eines Jahres bleibt letztlich nur ein komprimiertes Konstrukt aus Bildern, Gedanken und Momenten im Kopf zurück. Fakt ist: 2018 geht heute zu Ende und war nicht wie von mir erwartet „mein“ Jahr. Sondern einfach nur ein Jahr. Ein großes und spannendes und sehr anstrengendes. Ein bewegend fantastisch dramatisches. Und in Summe: eins, das mich weitergebracht hat. Denn es hat mich durch (nicht immer einfache) Erfahrungen wachsen lassen. So dass ich heute genauer weiß wer ich bin, wo meine Grenzen sind – und zugleich sicher bin: es gibt (fast) keine. 

Und auch wenn es für dieses Wissen nötig war, in wundervollen Sommernächten Heulattacken an öffentlichen Plätzen zu haben, viele durchdachte Tage in fremden Städten zu erleben, oft enttäuscht zu sein über andere und insbesondere mich selbst und es viele verzweifelte Momente gab, in denen ich übermüdet, frustriert und traurig sicher war, dass es niemals gut werden würde – war es das wert. Weil ich dadurch viel besser weiß, wer und was für mich wirklich zählt. 

Fazit ist: heute Nacht mache ich Schluss mit 2018 und ein paar Erwartungshaltungen. Und statt Vorsätzen nehme ich Hoffnungen mit in die Silvesternacht. Die auf etwas weniger Herausforderungen und ein bisschen weniger Pannen. Die für ein paar mehr glückliche Herzstolpermomente und dem Können, diese dann auch genießen zu können. Die auf mehr Zeit für die wichtigen Menschen und Dinge. Die für das Wiederfinden der verlorenen Energie und zuletzt die Hoffnung auf ein paar neue Menschen, die mitten in mein Herz marschieren um sich dort fest zu verankern – zusätzlich zu denen, deren Platz dort schon lange sicher ist.



Januar und Februar: Die beiden besten Monate – weit weg von allem und allen und ohne Verpflichtungen und mit ganz vielen neuen Eindrücken und der neuen Gewissheit: ich bin, wie ich bin – auch wenn ich gerne anders wäre – und am Ende ist das gut – genau so wie es ist. 


Der beste Moment: Der Sonnenaufgang im Heißluftballon in Bagan. Das war ganz viel ruhiges Glücksgefühl inmitten dieser russisch sprechenden israelischen Reisegruppe und dem schweizerischen Ballonführer vom Bodensee.

Der schlimmste Moment: Das ohnmächtig werden in der Nachmittagshitze in Chiang Mai auf dem Rollerparkplatz vor der Schule. WTF?



März: Nach Hause kommen mit Mut und Elan und Glück und Zuversicht im Gepäck. Die eine Woche, die das angehalten hat und der radikale Schnitt danach, als das Leben so geballt kam und sich anfühlte wie ein Faustschlag ins Gesicht. Die Folge: die Erholung war von einem auf den anderen Moment einfach verpufft und ist dieses Jahr im Großen auch nicht mehr wiedergekommen. 


Song des Monats: Neonschwarz – Atmen



April:                    

(Rückblickend kann ich mich nicht erinnern, wie ich diesen Monat überstanden habe.)


Song des Monats: Lupid – Der Trick ist zu atmen 

Aussage des Monats: die wiederhole ich nicht. Aber: es erstaunt mich bis heute, wie groß ein Ego und eine daraus resultierende Selbstüberschätzung sein kann.



Mai: Das erste Mal, dass der neue Job gezeigt hat: das wird sehr schwer, dazwischen Erholungszeit zu finden. Dennoch: Miniverschnaufpause im lang ersehnten Irland mit viel Sonne, viel Autofahren inklusive Songs mitsingen und merken, dass der andere gerade das Gleiche macht, vielen Schafen und dösen auf Picknickdecken inmitten hellgrüner Frühlingswiesen mit Meeresbrauschen unter und Möwengeschrei über uns. 


Frage des Monats: Wo ist mein Handy? (Never ever verlasse ich mich jemals wieder auf die Aussage „ich habe alles eingepackt“ anderer Menschen.)

Song des Monats: Drunken Masters ft. Mothica – On my own



Juni: Im verflixten siebten Jahr in München dank Firmenwagen endlich angefangen, diese Berge zu entdecken: #soloroadtrippin. Das yearly Fake-Festival (Zitat N.: „deswegen heißt es ja auch Open Air“) und die danach folgende längste S-Bahn-Fahrt nach Hause (#hastdudietütenochgibmirdiemallieber [wie schön, dass wir entschieden haben daraus eine Tradition zu machen]). Der Fahrradkauf und das nach gerade mal zwei Wochen und einer wilden Radltour kaputte Rücklicht, das ich bis heute nicht geschafft habe reparieren zu lassen.


Frage des Monats: Was ist das eigentlich mit Euch jetzt nochmal ganz genau? 

Song des Monats: The Wombats – Turn



Juli: Generell zu wenig Isar. Ein Wochenende in Leipzig, das angepamt werden zur Folge hatte und die bedeutsame Aussage: „ach, das ist dieses Wochenende?“. Der Tag in der Berliner Sonne und dem Spielplatz-Pimping und dem Herausfinden wie der hübsche, blonde, große Kollege heißt und dass er also tatsächlich auch noch lustig und nett und sympathisch ist und ich ihm – entgegen jeder Erwartung – auch aufgefallen bin (sehr, sehr schade, dass das Leben einem kein Warnsignal gibt, wenn es nötig ist). Und ich glaube, es war auch in diesem Monat, dass gute Freunde von einst plötzlich wieder zurück wollten in mein Leben und ich gelernt habe, dass es Grenzen gibt, die man nach dem Überschreiten nie mehr wieder zurück gehen kann.


Song des Monats: Jan Blomqvist feat. Elena Pitoulis – More

Aussage des Monats: „sonst sieht man sich ja nie“



August: Städtetrip in den Norden mit der Folge, dass es mit Kopenhagen eine Stadt mehr gibt, für die mein kleines Herz fest schlägt, gefolgt von einem Balkan-Roadtrip ohne Erholung aber zumindest dem Gefühl des weg gewesen zu seins. Zudem gab es in dem Monat neben der schlimmsten eine Woche darauf die schönste Nacht des Jahres. Die beiden Wochen rund um diese schönste, als alles möglich schien und ich mir fast sicher war, dass das der Anfang von etwas großem ist. Und im Nachgang war die schlimmste Nacht eine gute, weil ich erkannt habe, dass hinter schönen Worten nicht immer die dazugehörigen Taten stehen und die schönste eine schlechte. Das Verstehen bei einem Abendessen in München, dass „Freundschaft“ ganz furchtbar viel mit Erwartungen zu tun hat – und wie schlimm es ist, wenn diese gegenseitig nicht bekannt sind – und wie viel schlimmer es ist, wenn daraus am Ende Vorwürfe entstehen. 


Frage des Monats: Was sagen die Menschen im eigenen Freundeskreis eigentlich über einen selber aus? 

Song des Monats: KILNAMANA – Adios Amigo

Aussage des Monats: all in! (Das, was von der schönsten Nacht übrig blieb)



September: Die Tatsache, dass man also auch von Kollegen geghostet werden kann und der unschöne Herzverengungsmoment, als ich eben den in einem unerwarteten Moment wieder gesehen habe. Das kurzfristig davon ablenkende irrationale Hoffnungsherzklopfschlagen wegen eines nicht lange darauf erfolgten Kennenlernens (aber: Heimvorteil Berliner Katzenmädchen). Der eine Wiesntag, in dem ich (fast) alles mitgenommen habe, was man da so mitnehmen kann (auch wenn das nur aus dem betrunkenen Gedankengang „ach, mei, ok, na gut“ passiert ist). Die Gründung des Buchclubs – Stand heute: immer noch kein Name, immer noch unter einem Buch gelesen (wobei ich heute fertig geworden bin) aber letztlich: der Weg ist das Ziel. (Ich glaube an uns und nächstes Jahr, F.!) Der voneinander unabhängige Doppelabsprung zweier Menschen für geplante Urlaube und die lange Suche nach Alternativen. 


Frage des Monats: Nina, GEHT der Jetzt? Warum GEHT der denn jetzt? 

Song des Monats: Marteria & Casper – Adrenalin



Oktober: 30er Geburtstagsmonat mit viel Feierei in Berlin und Brandenburg. M., der mir betrunken erklärt hat, wie großartig wundervoll ich bin und mich damit zum Weinen gebracht hat – einfach, weil es so nötig war zu hören. Der Moment als ich gesehen habe, dass das älter werden nicht jedem steht und die ehrliche Schadenfreude darüber: #karmastrikesback. Stockholm und Riga und die unfassbare Müdigkeit und Frustration an beiden Orten, die mich so noch in keinem Urlaub begleitet hat. Mein Name da als erstes oben in der Liste, die an alle Kollegen ging und das kurze (sehr krasse) Gefühl von großem Erfolg danach. 


Aussage des Monats: Hoffentlich ist L. jetzt nicht sauer (Erkenntnis in diesem Moment: nope, das hier ist kein Date. Nach wie vor: schade.)

Song des Monats: Fynn Kliemann – Zuhause 



November: Der Beste – weil endlich wieder erholsame – Urlaub seit Februar in Israel (wie froh ich am Ende bin, dass es diesen Mitreise-Rückzieher gab) und der beste Städtetrip des Jahres nach Amsterdam mit Teilen der Berlin-Crew. (Wie schlimm das ist, die besten Freunde nicht alle fest an einem Ort zu haben.) 


Aussage des Monats: You are very inspiring – you seem so happy. (Da hab ich [einmal mehr] fast geweint)

Song des Monats: Phoria – When everything was mine



Dezember: Das lange aufbleiben trotz Müdigkeit für die zweiten Verlobungsnews des Jahres und die riesige Freude darüber, dass es sie in anderen Leben gibt, diese Happy Ends (#hochzeitenaufdenenichsehrweinenwerde*). Weekly Glühweining (nehmen wir diese Weekly-Treff-Sache bitte mit ins neue Jahr?) Das emotionale auf- und ausräumen zum Jahresende mit dem (hoffentlich endlich finalen) innerlichen abschließen mit Dingen, die ich mir viel zu lange schön geredet hat – einfach, weil ich das lieber wollte als es so zu sehen, wie es wirklich ist. Das letzte und beste Konzert des Jahres von Madsen, die ich seit dem Studium schon live sehen wollte und wie schön, es geschafft zu haben, sowohl den Auftakt als auch das Ende der Konzertsaison mit der gleichen Person zu verbringen. 

*und trinken.


Frage des Monats: Sieht das eigene Leben von außen betrachtet wohl manchmal genauso begehrenswert aus, wie das der anderen?

Song des Monats: Klangkarussell – Good to go

(…)

So whatever comes I’ve seen it all

Ain’t living in the past
I’m good to go
First until the last
I’m good to go
Ain’t living in the past
I’m good to go, good to go

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