Das ist der Titel dieses Blogs. Und das ist, um was es geht. Das Jetzt, das hier. Die Zeit mitten im Alltag zwischen Job und Familie und Sport und Freunden und Partnersuche und Terminkalender und Hobbies und Hoffnungen und Erwartungen und Wünschen und Urlauben und Ansprüchen und Ratlosigkeit und all den guten und weniger guten Facetten, die einen zu der Person machen, die man ist.
Dieses Jetzt ist eine winzige Sache, die manchmal zwischen all dem großen drumherum untergeht. Dieser enge Zeitraum im Leben, der einem quasi immer zur Verfügung steht und aus dem man stets das allerbeste herausholen sollte. Um niemals zu denken „hätte ich das mal gemacht“, weil es „später“ ja immer zu spät für das Jetzt und hier ist. Und Ziel sollte sein, nicht erst am Ende, sondern heute schon durch das eigene Lebensmuseum zu wandern und dabei stolz und euphorisch und freudestrahlend glücklich zu sein.
Das hatte ich für eine (gefühlt sehr lange) Zeit vergessen.
Denn im Jetzt waren diese vielen großen Sachen so laut. Die neue Arbeit, die mich noch immer so müde macht und die dadurch bedingten Reisen zwischen Nord und Süd. Die Familie, die Verpflichtung die da steckt und der Kummer, der da vorherrscht. Der Sport, der viel zu lange nicht gemacht wurde und die ganz eigene Frustration die daraus in Kombination mit einer Waage manchmal resultiert. Die Freunde, die man sehen mag und mit Rat und Tat zur Seite stehen will und die Tatsache, dass man das aber manchmal nicht kann und das man es im Gegenzug manchmal auch genau dann nicht von Ihnen zurück bekommt wenn es am dringendsten ist. Das schlimme Gefühl, das dann in einem pocht und dem entgegen das schöne, wenn es einem jemand in einem unerwarteten Moment zurück gibt. Die immer größere Herausforderung „Terminkalender“ und die Frustration die irgendwann durch immer ungeteiltere Leben entsteht.
Geradezu ohrenbetäubend waren all diese Facetten in den letzten Monaten – so sehr, dass ich dazwischen gar nicht mehr zu Rande kam. Weil da ein Gefühl des Rennens vorgeherrscht hat. Ein endloser Sprint nach (n)irgendwo, der sich eingebrannt hat. Vom Kopf ins Herz bis in jede Körperfaser. Weil da so viel Vergangenheit ist in der ich mich ab und an verfange und so viel Zukunft, die mir so oft so unendlich viele Sorgen macht. Weil da Erwartungen an mich getragen werden: „wann kommst Du mal wieder nach Hause?“ / „früher warst Du positiver“ / „du hast dich schon lange nicht mehr gemeldet“ / „man hat schon lange nichts mehr von dir gelesen“ die dann permanent hinten in der Seele stecken und sich dabei anfühlen wie etwas zwischen den Zähnen haben. Obwohl es doch eigentlich ja zeigt, dass da jemand ist, der sich Gedanken über einen macht und das nicht als zusätzliche Last meint, sondern Aufmerksamkeit zeigt – im Jetzt einer anderen Person, in dem ich eine Rolle spiele.
In Summe hat all das und noch mehr zuletzt so viel Raum eingenommen und mich so unendlich müde gemacht, dass für mein Jetzt keine Aufmerksamkeit mehr übrig war. Da waren nur viele Tage, an deren Ende ich niemanden hören, sehen oder sprechen wollte. Weil man dieses Gefühl des Rennens niemandem erklären kann, der nicht selbst schon mal so einen endlosen Sprint nach (n)irgendwo gemacht hat. Und der dieses Gefühl nicht kennt, dieses eingebrannte schwarze etwas im Kopf, im Herz und in den Körperfasern, das einen so lethargisch macht.
An einem kalten Maitag im letzten Jahr, an dem es draußen nicht Frühling, sondern mitten im Winter war, sagte jemand zu mir: „Sind wir jetzt nicht in dem Alter, indem wir machen sollten, was wir wirklich wollen? Weil wir es jetzt wissen?“. Darüber haben wir damals sehr lange gesprochen. Über diese Träume, die mit dem älter werden konkreter geworden sind, weil man sich selber so viel besser kennt als vor zehn oder fünf Jahren noch. Und darüber, dass es dadurch zugleich ungemein schwerer geworden ist, sie leben zu lassen. Weil man so viele Konsequenzen durchdenkt. Aus „das mache ich jetzt einfach“ ist irgendwann ein „das würde ich jetzt sehr gerne machen, aber folgende Dinge hindern mich daran“ oder ein „Ja, ich weiß, was ich tun sollte, aber das ist alles nicht so leicht“ geworden. Generell dieses durchdenken, das einem so oft am Jetzt hindert: wer, wie, was, wann, wo, warum und einmal grundlegend: weshalb überhaupt?
Manchmal ist das alles nicht so leicht mit dem jeden Tag erwachsener werden. Manchmal tut das alles sogar ganz schön weh. Diesen ziepen und knirschen tief irgendwo in einem das irgendwie an irgendeiner Stelle selbst der vermeintlich glücklichste hat und das Gedankenrollen das mit dazu gehört. Manchmal sorgt das für Nächte, in denen alles bitterböse zusammenkommt und einen die Gedankenfetzen aus gestern, heute und morgen nicht zur Ruhe kommen lassen, man zusätzlich nicht bekommt, was man bräuchte und als Konsequenz dann eben schlaflos bleibt.
Neulich erst hatte ich trotz urlaubsbedingter Glückseligkeit eine solche Nacht. In der ich statt zu schlafen in eben die gestarrt habe und mich nach langer Zeit mal wieder in meinem „Museum of me“ umgesehen habe. Fakt ist: in der aktuellen Ausstellung sprudelt die Lebensfreude nicht wirklich über. Und ja, das zeigt sich zum Beispiel in längeren Phasen ohne Blogposts – obwohl es so viele Beiträge in der Warteschleife gibt und so viele Gedankenfetzen, die gesagt werden wollen. Und während diesem Rundgang, zwischen ein paar Tränenpausen, ist es mir wieder eingefallen:
Alles was wir haben ist Jetzt.
Und da habe ich entschieden. Dass es Zeit ist um nach und nach zurück hierher zu gehen. Ins Jetzt und in die Achtsamkeit für den Augenblick und alle Konsequenzen auf dem Weg dahin zu tragen. Wieder offen sein und an Chancen glauben und das kleine Glück sehen, weil es ja das Große ausmacht und zu verstehen, das Vergleiche in keinster Weise notwendig sind und nach Möglichkeit immer zu 100% ehrlich zu anderen und insbesondere zu mir zu sein. Auch wenn das manchmal dem anderen weh tut oder mir selbst und wenn der Schritt zurück oder nach vorn viel einfacher scheint als das verharren im Augenblick.
Am Ende ist es aber ja als erstes da, das Jetzt. Das hier, das heute, der Moment. Und im besten Fall: wird aus jedem Jetzt ein „für immer“ – weil man ein fulminantes Museumswerk daraus erschafft. Daher: Auf diesen Moment. Auf meiner Couch. Mit neuer guter Musik. Mit frisch gepacktem Koffer in der Küche. Und dem innerlichen Dizzy-frizzy-Glückswohoo weil ich mir endlich mal wieder Zeit hierfür genommen habe – obwohl es innerlich gerade einmal mehr ohrenbetäubend dröhnt.