Ich bin mittlerweile schon fast einen ganzen Monat unterwegs. Darüber bin ich im ersten Moment zunächst gestolpert. Das schon und zugleich erst ein ganzer Monat vergangen ist, der sich wie mindestens ein ganzes Jahr anfühlt. Wie viel ich schon sehen durfte in dieser kurzen Zeit. Mit Singapur und Kuala Lumpur zwei riesige Städte. Mit Kambodscha und Vietnam zwei von so vielen Kriegen gebeutelte wunderschöne Länder in denen ich gerne mehr gesehen hätte. Und ab morgen Myanmar – der spontane Stopp der Reise, einfach, weil ich jetzt gerade hier bin und einfach, weil ich in Angkor zu wenig Zeit verbracht habe und ich noch mehr Tempelwelten sehen will und Heißluftballon fahren darüber und vielleicht auch, weil diese ganze Reise so eine chaotische ist und ich das zumindest einmal auch bewusst steuern wollte.
Und wie viele Aha-Momente es schon gab. Über mich und den kühlen Kopf in Situationen, die vor zwei Jahren einen Nervenzusammenbruch und viele Verzweiflungstränen zur Folge gehabt hätten. Wie in Singapur gar nicht erst in den Flieger nach Malaysia steigen zu dürfen wegen dem fehlenden Ausreiseticket (spontane Tripumplanung I) oder vom Zollbeamten nicht nach Vietnam reingelassen werden weil es auch hier kein Ausreiseticket zum Vorzeigen gab. Das war beides gar nicht schlimm wohingegen der seit kurzem kaputte Laptop für eine Zeit das Ende der Welt bedeutet hat. Erstaunlich, wie viel einfacher manche Dinge geworden sind und wie herausfordernd andere trotz allem noch immer sind.
Ein wenig bereut habe ich in diesem Monat meine falsch gesetzten Prioritäten in der Vorbereitungszeit der Reise und geärgert habe ich mich ab und an über diese dadurch jetzt so wilde Zick Zack Route. Der Schwabe in mir ist nach der knappen Woche drei auch kurz ohnmächtig geworden als er die bis dahin getätigten Ausgaben auf dem Bankkonto gesehen hat. Und der andere Teil in mir hat einfach nur gelacht und sich gesagt: cool, dafür habe ich schon vier Länder gesehen und Orte wie Angkor und die Halong Bucht und Ho Chi Minh (die coolste Stadt, die je auf einem deutschen Arbeitsvertrag stand).
Und dann gab es auch schon oft die Momente dazwischen, in denen ich gerne jemanden von zuhause dabei gehabt hätte. Zum planen. Zum ratschen. Zum an die Hand nehmen bei der ersten Straßenüberquereung zur Feierabendzeit in Ho Chi Minh. Zum abends was trinken gehen. Zum sagen ‚hast du das auch gesehen’ und ‚schau nur, wie schön!‘. Zum Reden was alles passiert ist in meinen letzten beiden Monaten und wie sehr mich das manchmal immer noch überfordert und zum weinen bringt. Und wie sehr ich manchmal hier ganz weit weg von allem nicht weiter weiß. Wie sehr mich das entscheiden derzeit anstrengt und wie anstrengend das ist, es jeden Tag von Anfang bis Ende zu tun. Und in den Momenten fehlt dann jemand für die Umarmung dazwischen der dann sagt: alles wird gut! Und schau nur, was da alles großartiges wartet in diesem noch so zauberfrischem neuen Jahr. (Wie gut es ist, dass da Menschen sind, die das nicht persönlich, aber digital für einen machen.)
Im ganzen war das ein Monat, in dem ich bewusst viel mit mir alleine war. Weil ich so müde war vom letzten Jahr und von der Müdigkeit der anderen und weil ich da eben spezifisch bin. Es war aber auch ein Monat, in dem manche Menschen einfach so plötzlich da waren. Wie Theo und Raphael in Siem Reap die beide für sich so grossartig und als beste Freunde zusammen einfach nur unglaublich sind und wie Liza in Phnom Penh, die mich zum Weihnachtsessen bei ihrer Familie eingeladen hat, damit ich an dem Abend nicht alleine bin. Oder wie Marta, der ich ein Schloss und sie mir einen Rucksack geliehen hat und wir uns in einem an Berlin erinnernden Restaurant am ersten Abend schon ein wenig unsere Leben erzählt haben.
Ein anstrengend abenteuerlich eindrucksvoller Monat war das. Mal sehen also, was die kommenden sechs Wochen noch so bringen. Ich bin gespannt.
#jagedeinemlebennach