Über Phnom Penh hatte ich im Vorfeld vorwiegend gelesen, dass sich ein allzu langer Besuch hier nicht lohnt und die Stadt laut, voll und schmutzig ist. Erlebt habe ich: eine laute, volle und teilweise schmutzige Stadt, deren Besuch sich ganz klar lohnt. Zwei bis drei Tage am Stück kann man hier schon recht gut mit einem Programm füllen.
Angefangen mit der Stadt selbst, in der es neben den typischen Tempeln wie dem wunderschönen What Phnom auch einen (nach wie vor bewohnten) Königspalast zu besichtigen gilt und in dem man im FCC (dem Foreign Corresponders Club) mit Blick auf den Tonlé Sap Fluss überteuerte, aber leckere Cocktails in einem über die Jahrzehnte erhalten gebliebenen Kolonialflair trinken kann. Eine, in der man in der ein oder anderen Gasse aber auch wunderschöne Streetart entdecken kann und sich rund um die Uhr den Bauch mit wirklich leckerem Essen füllen kann oder in der Glitzer-Einkaufswelt des Phsar Thmei im Art Déco Ambiente Klunker erstehen kann.
Daneben hat man aber auch das Gefühl, in einer mittelgroßen Großstadt zu sein und kann sich so auch in großen Einkaufszentren, die mit Kino, Bowling und Schlittschuhlaufen jede Menge Abwechslung bieten, die Zeit vertreiben. (Für immer in meiner Erinnerung wird so mein erster Allein-Kinobesuch bleiben. Hat seine Zeit gebraucht, dieses Kino in der Mall zu finden…). Auch ist Phnom Penh für mich die erste Stadt in Kambodscha, in der ich ein wenig genervt bin von der ständigen Frage, ob ich ein „Moto“ oder „Taxi“ benötige – aber ja, natürlich ist hier der Tourismus mittlerweile eine sehr treibende Kraft, die sich neben den fleißigen Moto-Fahrern auch durch einige (vorwiegend mit westlichen Marken bestückte) große Einkaufstempel bemerkbar macht.
Was man sich bei seinem Besuch in Phnom Penh in keinem Fall ersparen sollte, ist ein Besuch des Tuol-Sleng-Genozid-Museums oder / und der Killing Fields im Süden der Stadt. Um die gewaltige Geschichte dieses Landes – und insbesondere die neuere – vollständig zu verstehen, kommt man nicht darum herum, sich hier über die etwas über drei Jahre währende Schreckensherrschaft der Roten Khmer zu informieren. Ich selbst war „nur“ im Tuol-Sleng Museum, dem ehemaligen Gefängnis S21 der Roten Khmer. Dieser Besuch, der auf den ersten Weihnachtstag gefallen ist, hat für mich irgendwie so viel Schreckenshistorie am „Fest der Liebe“ beinhaltet, dass ich ein wenig überfordert war. Danach wollte und konnte ich schlicht nicht noch mehr Tragik sehen, da diese Kombination von Weihnachten und mir in der tropischen Hitze auf den Killing Fields in meinem Kopf einfach nicht kompatibel war. Der Besuch dieses ehemaligen Gefängnisses war wirklich sehr deprimierend – dennoch bin ich froh diesen Ort gesehen zu haben. Einfach, weil man danach die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier noch mehr wertschätzen kann. Da gerade ja diese Orte das heutige Kambodscha sehr geprägt und sicher auch viel Verantwortung an der heutigen Kultur und des Lebenscharakters der Menschen haben.
In Summe war Phnom Penh für mich ein gelungener Abschluss meiner einen – viel zu kurzen – Woche in Kambodscha, nach der ich eines ziemlich sicher weiß: in diesem schönen Land hätte ich noch mehr Zeit verbringen können!
Essen: Was aus der Kolonialzeit geblieben ist, sind zahlreiche Boulangerien, die sich durch die Stadt ziehen. Teilweise auch in echt französischem Stil eingerichtet, kann man hier mal mehr, mal weniger chic eine kleine Flucht nach Frankreich machen. Richtig lecker kambodschanisch kann man in Tinat Restaurant essen. Hier gibt es traditionelle Khmer Speisen in Riesen Auswahl samt hilfreicher (da bebilderter) Karte (Street 51, Corner 154). Westlich orientierte Cafés gibt es so einige – zwei meiner Favoriten waren das Artillery Arts Cafe (zum Namen passend in einer kleinen Gasse voller Streetart gelegen: Alleyway of 240 1/2, St 244) und der Shop 240 (St 240, No 39), der kein Shop sondern eine Bäckerei ist.
Anschauen: Für den royalen Eindruck den Königspalast, der von morgens 08:00 – 10:30 Uhr und dann wieder nachmittags von 14:00 – 17:00 besichtigt werden kann. Für den weltlich erschreckenden das Tuol-Sleng-Genozid-Museum „S21“. Und eine sphärische Beruhigung danach den Wat Prohm (zumindest klingt es sphärisch, wenn man Glück hat und gerade eine Zeremonie dort stattfindet).