„Man kann reinspringen ins Leben oder sich davor verstecken. Besser ist das Erste. Auch, wenns manchmal richtig weh tut.“
Dieser Satz steht eingerahmt auf meinem Nachttisch. Und tatsächlich hat er mir vor kurzem erst einmal mehr Kraft gegeben. Kraft gegeben, um wagemutig zu sein. Kraft gegeben, um konsequent zu sein und zu springen. Konsequent sein kann ich gut. Manchmal mit einigem Vorlauf und mit vorsichtigem herantasten – manchmal ungestüm und voller Tatendrang.
Doch trotz aller Konsequenz und aller Sprünge, die man schon gemacht hat gibt es zwischendurch dann immer wieder Zweifel. War das nun wirklich richtig zu springen? Besonders schwierig ist es, wenn der Gedanke mitten im freien Fall plötzlich im Kopf aufpoppt. Dieser Moment der absoluten Freiheit, wegen dem man doch gesprungen ist und dann kommt dieser Popper und man fühlt sich plötzlich gar nicht mehr so frei. Stattdessen kommen diese vielen kleinen Zweifel von oben angefallen. Was, wenn du zu schnell bist? Was, wenn du blöd aufkommst? Was, wenn das gar keinen Spass macht? Was, wenn das die blödeste Idee aller Zeiten war? Was, wenn das dahinten der krasseste Sturm aller Zeiten wird?
Und plötzlich dreht man sich im Kreis.
Da hat man dann im Bestfall Ansporner dabei. Menschen, die mitspringen oder unten stehen und rufen: Yaaaaaayyyy! Go for it, you can totally do this! (und alles wird gut) oder die vielleicht schon vor einem gesprungen sind und das ganze deshalb aus dem „habe ich auch schon gemacht und überlebt“ Blickwinkel betrachten können. Menschen, die Ihr eigenes Päckchen für einen Moment beiseite legen um sich dem fremden zu widmen. Menschen, die einem kurz Halt geben mitten im Flug. Das kann gar nicht jeder habe ich festgestellt. Diesen Perspektivwechsel, dieses „hui, für mich wäre das nichts, aber weisst du was? Ich finde cool, dass du gesprungen bist und ich bin für dich da, mitten drin und zwischendrin und unten dann mal sowieso“. Die einem kurz mal den Zweifel nehmen, die einem helfen sich zu erinnern, warum man gesprungen ist.
Wegen dem Glauben an die Zukunft. Wegen der Sicherheit, dass man Dinge für sich selbst verändern kann. Langmut ist dafür ein herrliches Wort, über das ich neulich in einem Artikel gestolpert bin. So ein Wort, das einem auf der Zunge zergeht zunächst, das zerfließt und über dessen Einzelteile man erst mal nachdenken muss. Und am Ende dann feststellt, dass es ein gewaltiges ist. Das so vieles in sich trägt: Glaube, Hoffnung, Motivation und Mut ja sowieso aber eben auch die Kunst, Geduld zu haben. Geduld für ein später. Ein später, das manchmal – wenn nicht sogar oft – wenn nicht sogar meistens – ungewiss ist. Und eben den Mut genau da rein zu springen und in etwas zu investieren, das noch im Zukunftsnebel verborgen liegt.
Das ist schwer. Weil wir alle wollen doch Sicherheit haben für uns und unser Leben. Und Sicherheit bedeutet im Bestfall immer schon heute recht sicher zu wissen, was morgen kommt. Die Antwort vor der Frage kennen, weil es die Dinge einfach macht. Und gerade die einfachen Dinge sind meist gefühlt die sichersten. Die sichere Bank, der Standard, das Bekannte. Einfachheit. Aber was, wenn diese Bank, wenn dieser Standard, wenn alles Bekannte einfach nicht mehr richtig ist? Wenn man auf das Konfetti wartet und es einfach nicht vom Himmel regnen mag? Dann sollte man es sich tatsächlich selber ins Leben pusten finde ich. Und Risiken eingehen, um an dieses verdammte glitzernd schillernde Konfetti zu kommen das man dann mit zittriger Hand in die Luft schmeißt und in dem Moment ganz sicher ist: dafür war es gut! Weil eben genau für diesen Moment – lohnt sich ab und an ein Sprung. Inklusive der Zweifel-Gewitterfront.