Touristen HotSpot: Bali

Als ich Bali auf meine Reiseliste gesetzt habe, hatte ich viel Grün im Kopf. Und viel weiß und jede Menge Blau. Grün wegen der Reisfelder und der Palmen. Weiß wegen all der Traumstrände. Und das blau – kristallklar – kam von all dem Wasser, das dann da um meine Beine fließen sollte.

Auf dem Flug von Melbourne nach Denpasar kamen dann leichte Zweifel an meinem Reiseziel auf. Schlicht, weil mich meine Mitreisenden doch sehr an einen Flug vor ca. 10 Jahren nach Palma de Mallorca erinnert haben. Gut, es gab keine Gruppe von Männern mit komischen Hüten auf dem Kopf, die laut zu den neuesten Schlagerhits gesungen haben. Aber zumindest bei meinem Nebensitzer im Flieger gen dem australischen „Malle“ floss das Bier in strömen, was auch damals der Fall war und irgendwann dann zu witzig anzuschauenden akrobatischen Kletteraktionen auf seinem Sitz geführt haben.

Und dann, als ich endlich angekommen war nach diesem langen Touristenflug und nachdem ich den ersten Schock aufgrund der vergessenen schwülen Hitze, die einem im ersten Moment den Atem raubt überwunden hatte und nachdem ich die nicht gerade freundliche Taxifahrtdiskussion hinter mich gebracht hatte, die gar keine Diskussion war, weil darüber am (offiziellen) Taxistand am Flughafen gar nicht diskutiert wurde und als ich also endlich in einem Taxi saß und auf dem Weg in mein Hotel war, da dachte ich: lets do this! Und habe mich an meine Vorstellung erinnert: grün und weiß und blau – bald! An der kurzen Fahrt zum Hotel war dann für mich zunächst am erstaunlichsten, wie sehr ich das alles vergessen hatte: die typisch asiatische Fahrweise. Diesen Lärm überall, der ein ganz besonderes Gemisch aus Autos, Rollern, Hupen und Menschengeschrei ist. Und die vielen Menschen überall.

Aber: ich war da. Und Kuta, mein erster Stop auf Bali, den ich aufgrund der Nähe zum Flughafen als geeignet empfunden hatte, wartete darauf von mir erkundet zu werden. Was ich dazu sagen kann: mir persönlich hätte ein Tag hier gereicht. Einer, an dem man voll in den Touristenmodus einsteigt und von Touristenladen zu Touristenladen wandert und vor jedem kleinen Geschäft (die wirklich Tür an Tür in jeder Straße zu finden sind) gefragt wird: „Lookie lookie – very cheap!“ Ein Tag, an dem man in einen der weltbekannten Coffeeshopketten tingelt weil man vorher weiß wie der Kaffee schmecken wird oder an dem man gleich in der Bar daneben einen Beerbucket bestellt, damit das Heimweh erst gar nicht entstehen kann weil man es vorab betrinkt. Und ein Tag, an dem man zuletzt noch kurz einen Abstecher zum weißen und langen Strand macht, der außer den Touristen und deren (teilweise wilden) Surfversuchen nichts spektakuläres bietet aber an dem man sich vielleicht nach dem fünften Frager doch dazu überreden lässt, es selbst zu versuchen. Zusammengefasst hat sich für mich in Kuta sehr schnell gezeigt, dass ich meine Vorstellung eines grün/weiß/blauen Bali hier nicht finden würde. Das ich aber sehr abgeholt gewesen wäre, wenn meine Vorstellung Shoppingmalls, Starbucks und jede Menge Clubs zum abtanzen beinhaltet hätte. Denn das ist Kuta in jedem Fall: eine Partyhochburg, in der man billig ausgehen und shoppen kann.

Der zweite Stop meines Baliaufenthalts ging dann nach Ubud. Bei der Fahrt dahin wurde klar: da ist es, das grüne Bali. Dank seiner Lage inmitten von zahlreichen Reisfeldern, die nur wenige Schritte aus dem Stadtzentrum hinaus zum spazieren und bewundern einladen, ist Ubud ein Ort mit grüner Seele. Zwar ist auch hier der Tourismus schon lange angekommen – aber in Summe wirkt der Ort dennoch (eventuell durch die vielen Aussteiger die hier leben und die vielen Yogazentren die sich überall finden) sehr entspannt und zurückgelehnt. Und gerade wenn man bis an den Rand des Ortes spaziert kann man noch ein wenig des klassische Bali finden. Und tatsächlich liegt Ubud relativ zentral auf der Insel, so dass man von hier perfekt in die Umgebung zu zahlreichen Abenteuern – von Kochkursen über Vulkanbesteigungen – aufbrechen kann.

Mein letzter Bali-Stop ging dann nach Canggu. An sich ein weiterer ehemals eigenständiger Ort, der sich mittlerweile fast übergangslos an Kuta und Seminyak anschließt. Doch ist klar merklich: bis hierhin reicht der Massentourismus noch nicht ganz. Hier finden sich zahlreiche schmale Straßen – oft ohne Gehweg – auf denen man so als Fußgänger des öfteren mit einem schnell klopfenden Herzen zu kämpfen hat (mich persönlich hat auf diesen Straßen deshalb der Gedanke „bitte bringt mich nicht um“ oft begleitet). Dazwischen findet man jede Menge kleine, entzückende Boutiquen und Lädchen die nur darauf warten gefunden zu werden und charmante Cafés und Restaurants die es einem einfach machen, auch mal einen Regentag zu überstehen. Zum ausschweifenden Erkunden geht hier allerdings ohne Roller definitiv nichts mehr.

Zwar habe ich meinen Bali-Traum nicht ganz auf Bali entdeckt, dafür durfte ich aber viele andere Momente und Eindrücke mitnehmen, die die Reise dennoch sehr wertvoll gemacht haben.


Wirklich lecker Essen gehen in Kuta: Poppies Restaurant,  Jalan Legian, Gang Popies I, Kuta, Kabupaten Badung, Bali 80361, Indonesien

Von hier nach da kommt man gut mit: Perama Bus (wer sein Ticket behält, bekommt bei der nächsten Fahrt einen Rabatt)

Relaxt frühstücken in Ubud geht hier sehr gut: Atman Kafe (Jl. Hanoman No.38, Ubud, Kabupaten Gianyar, Bali 80571, Indonesien) und richtig lecker Abendessen kann man hier: Dewa Warung (Jalan Gootama No. 13, Ubud, Gianyar, Kabupaten Gianyar, Bali 80571, Indonesien)

Und oberhalb Ubuds kann man richtig entspannt fantastische Smoothies (die eigentlich eher viel Eis in einem hohen Glas sind) hier trinken: Yellow Flower, Sayan, Bezirk Ubud, Gianyar, Bali 80571, Indonesien

Wer balinesisch kochen lernen will – und das zugehörige Farmgefühl auch erleben mag sollte zur Pemulan Bali Farm Cooking School

Richtig toll schlafen und relaxen auf der eigenen Couch kann man in Canggu in Vande Guest House (Vande und seine Tochter sind wundervoll herzliche und hilfsbereite Menschen und hätte es nicht geregnet, wäre ich auf dieser ruhigen Straße zum ersten Mal in meinem Leben Roller gefahren…)

Und wenn man sich nach Wochen mit balinesischem Kaffee dann doch nach einem westlichen Kaffee mit Banana-Pancake Beilage sehnt: Satu-Satu Coffee Company. (Randbemerkung: so gutes WiFi wie hier hatte ich nirgends auf dem Rest der Insel)