Das muss man sich manchmal ja mal selber fragen. Manchmal, so wie aktuell, bleibt dann nichts anderes zu tun als über sich selbst den Kopf zu schütteln. Der externe Blick bei dem einem klar wird, dass gute Freunde einem sagen würden: Bist du bescheuert? TU DAS NICHT!
Woher kommt das, dass ich immer wieder Menschen begegne, die von mir so viel bekommen und ich im Gegenzug von Ihnen nichts zurück als Kummer? Und woher kommt das, dass ich bisher nie schlau genug war um das in dem Moment zu verstehen, das emotionale Eingewickel zu durchschauen, das „benching“*, wie man es wohl neuerdings nennt, glasklar zu sehen, so wie man es im Leben anderer erkennt und bei denen man dann laut sagt: „STOP! Du gehst bis hierhin, aber nicht weiter.“ Stattdessen renne ich kopflos hinterher mit dem einzigen Gedanken im Hinterkopf „bitte, bitte hab mich gern.“
Als wäre ich nur etwas wert, wenn es durch andere bewiesen ist. Und immer, immer wieder laufe ich in diese Gedankenfalle. Immer, immer wieder lasse ich mir da den Boden unter den Füßen wegziehen und schlittere den Steilhang hinab. Nur eben leider nicht auf Händen und Knien, sondern mit dem Herz voraus. Wie furchtbar das mittlerweile aussehen muss – zerschunden und geflickt und an der ein oder anderen Stelle für alle Zeiten ausgebeult.
Und wenn ich es dann einmal schaffe, das für mich zu erkennen. Wenn ich mich unten am Steilhang zusammengerafft habe, mühsam wieder aufgestanden bin und dann irgendwann mutig genug bin, das anzugehen und vor mich hinzulegen und in seine Einzelteile zu zerlegen, es auseinander zu zerren und auszuklamüseln und Konsequenzen daraus zu ziehen. Dann. DANN wird das von diesen Personen oft nicht akzeptiert. Das macht mich immer wieder fassungslos. Und neidisch. Ich glaube, vorwiegend macht es mich neidisch, weil ich diesen Narzissmus nicht besitze. Diesen festen Glauben an mich selbst, so wichtig zu sein, dass ich immer wieder auf den Platz im fremden Herzen poche, der mal meiner war. So wichtig, als das ich sagen würde „deine Entscheidung akzeptiere ich nicht, auch wenn du das willst aber ich lass dich nicht gehen“. So wichtig also, dass ich mein eigenes Bedürfnis über das der anderen Person stelle – erst recht nicht, wenn doch eben diese klar gesagt hat: „so geht das nicht, das tut mir weh.“
Aktuell muss ich die Frage „wie bescheuert bist du eigentlich“ leider mit „sehr“ beantworten. Weil ich den Platz ja immer wieder freundlich lächelnd zur Verfügung stelle – ja, weil ich es manchmal sogar freiwillig anbiete doch bitte wieder Platz zu nehmen. Ich bin daher sehr bescheuert, eventuell ist das sogar ein masochistischer Charakterzug von mir, weil es vielleicht ja auch so ist, das ich mir unterschwellig mit Absicht eben immer wieder genau diese Menschen suche. Bei denen dieser ewige Kampf des „gut genug“ seins, der irgendwann als Kind konditioniert wurde, wieder und wieder mit dem selben inneren Verdacht bestätigt wird: du bist es nicht. Oder vielleicht ist das auch zu kompliziert gedacht und ich habe – zumindest wenn es um mich selber geht – einfach einen niedrigen EQ. So oder so: es ist Zeit. Um konsequent zu sein.
*ich glaube, das ist nicht nur ein Dating-Phänomen, sondern auch eines, das vor allem bei und in Freundschaften existiert.