Das schöne an Komfortzonen ist, das sie es in sich haben: Jede Menge Raum in dem alles abgeklärt, abgesteckt, betitelt und routiniert ist. In dem man seinen Weg auch mitten in der Nacht halb verschlafen findet, weil man sich so gut auskennt und damit auch seine Grenzen und in Summe ist es in ihnen so dann einfach einfach. Einfach ist schön. Weil man einfach versteht. Dann aber ist da eben nun mal diese Sache mit den Grenzen.
Manchmal läuft man an die heran und stößt an. So wie in der Truman Show, als das Meer plötzlich einfach zu Ende ist. Und dann ist da so eine Tür die einen neugierig macht und irgendwie reizt und irgendwie aufregend ist. Was einem zugleich dann auch ein wenig Angst macht, weil man nicht weiss, was hinter dieser Tür so ist. Da könnten große Abenteuer dahinter stecken. Da könnten aber auch böse Überraschungen dahinter schlummern, die man durch das öffnen der Tür erst aufweckt.
Das interessante ist, dass sich im Leben überall Komfortzonen verstecken. Weil wir eben gerne bequem sind und weil Behaglichkeit so oft angenehmer ist als ein Herz, das vor Spannung zu zerplatzen droht. Und so steckt man – komfortabel eingerichtet – inmitten seiner Umstände und lebt vor sich hin, für lange Zeit oft in einer trügerischen Perfektion. Trügerisch, weil dieser Komfort einem manchmal auch nur eine Art von Vollkommenheit vorgaukelt und mit Ihr eben auch Unsicherheit daherkommt. Weil man die Behaglichkeit nicht verlieren mag und weil Veränderung – eben das, was hinter der Tür steckt – zumeist zunächst Aufwand bedeutet, weil man dadurch meistens Gewohnheiten ändern muss. Und so bleibt man. In einer Stadt die nicht recht zu einem passen mag, aber ein Umzug und ein Neuanfang ist anstrengend. Bei einem Menschen, obwohl man keine Worte mehr für den Gefühlsgrund findet aber man will eben nicht allein sein. In einem Job, obwohl da morgens keine Motivation mehr steckt, aber man hat so eben etwas sicheres und das ist doch besser, als ohne Arbeit zu sein. Auf dem Balkon, weil man nicht mutig genug ist seine Träume allein zu erleben. Auf der Couch weil sie – machen wir uns nichts vor – so viel bequemer ist als jegliche sportliche Aktivität. Mit den paar Kilos zuviel, weil Abnehmen Disziplin erfordert und Disziplin anstrengend ist. Und obwohl man sich so dann behaglich eingerichtet hat gibt es da eben all die „na ja’s“ und die „eigentlich’s“ und die „lieber wäre mir’s“, die man dann mit ausgewählten anderen Menschen teilt von denen man sich sicher ist, dass sie einen nicht einfach so durch diese Tür stoßen werden, sondern sich mit einem davor stellen und kritisch mit überlegen, was sich dahinter so verbergen mag und alle Pros und Kontras – und insbesondere die vermeintlichen Risiken – mit einem diskutieren.
Am Ende steht man aber meistens alleine vor der Tür und der Entscheidung.
Große Geschichten zeichnen sich selten durch die ruhigen Gewässer aus, in denen der Protagonist konstant verweilt. Große Geschichten haben immer von allem etwas in sich und sind nie von Anfang bis Ende perfekt – selbst im Märchen ist niemand von Beginn an „happily ever after“. Und sind nicht die besten Momente oft die unerwarteten, in denen unerwartetes passiert, weil der Held etwas riskantes tut, das eher nicht der Erwartung – und somit der Norm – entspricht? Und sollte einem das nicht zu denken geben für die größte Geschichte, die es für einen selbst geben kann? Die eigene, die man jeden Tag selbst schreibt und zur aller Besten machen kann, von der man je gehört hat. Und wird sie nicht mit jeder Tür etwas besonderer? Etwas größer, etwas erfahrungsreicher? Am Ende will man doch viel lieber denken „gut, dass ich das gemacht / versucht / angegangen / ausprobiert habe“! Das man es versucht hat, wird man wohl nicht bereuen, wohl aber, wenn man die Chance gar nicht erst wahrgenommen hat.
Für heute gilt: it’s on!
#taketheriskorlosethechance #mututgut