Die letzten Wochen, wenn ich gefragt wurde „wie viele Tage sind es noch bis zu deinem Urlaub?“ Habe ich immer gesagt: ich weiß es nicht. Weil ich tatsächlich – ganz entgegen meiner Art – nicht gezählt habe. Ich habe aus dem selben Grund nicht gezählt, aus dem ich mich generell nur phasenweise mit meinem anstehenden Urlaub beschäftigt habe. Weil die Sache ist, wie sie ist: je mehr ich mich damit beschäftige, mit diesem Abenteuer, das da vor mir liegt, je mehr bin ich aufgeregt.
Manchmal bin ich so aufgeregt, dass es sich anfühlt wie Angst. Manchmal nur so, dass es tief in der Magengrube kribbelt – was eher einem Gefühl der Vorfreude entspricht. Egal wie und was ich aber sage: viele sagen dann immer „echt?“ Und vermitteln so den Eindruck, dass meine geäußerten Sorgen wohl gar nichts besonderes sind. Neulich erst, als ich gesagt habe, dass es am Flughafen dann bestimmt ganz schlimm sein wird mit dem aufgeregt sein und wie froh ich bin, dass mich Freundinnen hinbringen und am richtigen Check-in Schalter abgeben. Oder das andere Mal, als ich meinte, dass ich mich schon freue, aber es mir auch Angst macht, für einen Monat alleine unterwegs zu sein und man mir sagte: „Warum machst du das dann? Das Geld hättest du dann ja besser einfach gespart.“ Bei solchen Aussagen stolpere ich dann immer ein wenig, weil ich denke: vielleicht ist mein Gefühl da nicht richtig und es ist gar keine so große Sache, wenn doch jeder sagt, dass es kein großes Ding ist. Aber die Sache ist eben die: für mich IST es eine große Sache. Und dann fällt mir regelmäßig dieser Satz ein:
‚Great things never came from comfort zones‘
Eben. Schön für alle, bei denen Alleine-Reisen um die halbe Welt ein Teil Ihrer Komfortzone ist – meine Komfortzone endet aber bisher bei Solo-Wochenendtrips in europäischen Großstädten. Und daher bin ich also ziemlich nervös und ich finde: ich darf das auch sein.
Rückblickend betrachtet hatte ich vor vielen großen Momenten meines Lebens Angst. Ich hatte zum Beispiel Angst vor dem Wegziehen aus meiner Heimatstadt, obwohl ich wirklich unbedingt wegziehen wollte. Ich hatte auch Angst vor dem ersten Unitag, obwohl ich ja studieren wollte. Ich hatte bombastische Angst vor meinem ersten richtigen Bewerbungsgespräch – obwohl ich den Job wollte. Ich hatte Angst vor meinem ersten Alleineurlaub – obwohl ich damals so lange schon dahin verreisen wollte. Ich hatte dazwischen und seitdem so oft Angst, dass ich es gar nicht zu zählen vermag. Generell bin ich wohl einfach jemand, der vor ersten Malen Angst hat und das obwohl ich aus all den Momenten doch vor allem gelernt habe, dass etwas fulminantes daraus hervor geht.
‚Everything you’ve ever wanted is on the other side of fear.‘
Das Wissen um die große Chance auf „großartig“ sorgt momentan trotzdem nicht dafür, das ich keine Angst habe. Wegen der ganzen Dinge, die passieren können – die ganzen what ifs und maybes und weil es für mich etwas besonderes ist. Und vielleicht auch, weil man doch am liebsten jemanden zum Momente-Teilen bei sich hat und für die Frage: müssen wir jetzt rechts oder links, was denkst du? Und NATÜRLICH kann man Momente auch digital mit den Menschen zuhause teilen. Und SELBSTVERSTÄNDLICH kann ich alleine entscheiden, ob es nach rechts oder links geht oder eventuell doch einfach geradeaus. Und ich weiss, dass ich das alleine ganz wunderbar meistern werde. Aber: ein Mensch an der Seite gibt eben nun mal Sicherheit, da kann mir jeder erzählen was er will.
Aber sollte man eigentlich nicht eh die Ängste der anderen sein lassen, wie sie sind? Weil ist Angst – genau wie Glück im Gegenteil – nicht etwas sehr eigenes? Nur weil manche Dinge für einen selbst klein sind, bedeutet dass ja nicht, dass sie automatisch für alle klein sind. Ich werde jedenfalls weiterhin aufgeregt sein und in manchen Momenten ‚la, di, da, di, da, di, da, da‘ denken und in anderen einfach ‚fuck, was für eine doofe Idee!‘ Und am Ende werde ich nach Hause kommen. Und viele Geschichten erzählen.
(Es sind noch 8 Tage.)
Weil es so schön passt:
Billie Marten – Lionhearted. (I’ve got miles and miles ahead – how I wish that I was lionhearted)