Schwarz und Weiß.

Manchmal stolpere ich über Momente, die sich vor Jahren in den Hinterkopf eingeprägt haben und dort kleben blieben und heute nun die verschmitzte Eigenschaft haben, ab und an wieder in den Vordergrund zu purzeln. Wie diese Aussage einst, ich glaube, es war mitten in der Nacht oder ganz am frühen Morgen – das nun wieder ist mittlerweile nebelhaft – „Du siehst immer alles schwarz oder weiß – aber was ist mit dem Grau dazwischen?“ Wie traurig der mich damals gemacht hat. Und wie schwer die Antwort war: „Grau steht mir nicht.“ Heute weiß ich, daß wir beide die Farben vergessen hatten. All die Farben die es doch auch noch gibt. Und dass es manchmal neben dem richtig oder falsch einfach nur das Jetzt gibt. Das Jetzt, das Heute – nie das Gestern und auch nie das Morgen.

All diese Farben also, die für all diese Möglichkeiten stehen, die wir doch immer und in jeder Situation haben. Meistens so viel mehr als nur die richtige oder die falsche. Damals war mir das aber wichtig. Das eindeutige, die klare Farbzuordnung, die Klarheit – oder am Ende einfach: die Sicherheit. Eine feste Zuordnung zu schwarz und weiß macht diese zu sicheren Polen der Eindeutigkeit, dieses grau in all seinen Facetten lässt immer viel Interpretationsspielraum. Und heute? Heute bin ich mir nicht sicher. Ich mag schwarz und weiß, weil ich Sicherheit mag und ich tendiere immer zu einem von beiden, weil es sich eben richtiger anfühlt. Aber ich weiss heute auch um die Zwischentöne. Was die Dinge nun nicht einfacher macht.

Wie gerne ich manchmal so wäre.

Ein Farbenmensch, ein Herzmensch. Einer, der intuitiv entscheidet, weil er brennt, weil er seinem Herzen folgt und – in meiner Wahrnehmung – so oft viel zufriedener ist als ich kleiner Analytiker. Kopf über Herz: bei mir ist das nicht nur eine biologische Tatsache. Vielleicht, weil das Herz das Eine eben nicht ist: logisch. Dieses Herz das ist eigen und verquer und seltsam und… farbig. Aber muss das eigentlich immer ein Für und Wider sein? Kann denn nicht beides gehen? Können denn nicht Kopf und Herz und Schwarz und Weiß gemischt sein? Und ist das am Ende dann eben nicht Farbe? Weil man sich doch eh nicht in Sicherheit bringen kann und weil man sich doch manchmal in dieses Kunterbunte stürzen muss – auch wenn es weh tut, auch wenn man so dann manchmal auf die Fresse fällt und sich das halbe Herz aufreisst. Quasi so wie früher, als Kind, als man aber im Gegensatz zu heute stolz auf seine Schürfwunden war. Weil sie doch für ein großes Erlebnis standen und für die Tapferkeit, diesen Moment-Schmerz heil überstanden zu haben. Aber zumindest hatte man ein Abenteuer erlebt und dazu noch einen wochenlangen Beweis ergattert: das aufgeschürfte Knie.

Was mir heute klarer ist: alles was wir haben ist Jetzt. Das heute, das hier, das nun. Nicht gestern und nicht morgen – eben nicht schwarz und weiß, sondern dazu noch all die Farben die sich überlagern und die Dinge manchmal uneindeutig machen. Und vielleicht also… sollte man auch als Erwachsener wieder öfter Stolz sein. Auf diese Schürfwunden am Knie und Arm und Bein und eben vor allem die am Herz. Vielleicht, weil es doch Zeichen sind – Zeichen von gewagten Mut. Und der wird eben nun mal aus dem Herzen gefüttert und ist eine Sache, auf die man Stolz sein darf und soll – und den man auch nach außen tragen darf.


(Es ist in Ordnung, manchmal nicht zu wissen was man machen soll.)

Weil es irgendwie passt: Tocotronic: Im Zweifel für den Zweifel(Im Zweifel für Zerwürfnisse und für die Zwischenstufen)


 

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