Lesezeit mit Gavin Extence: Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Mitten in der Nacht am Grenzübergang von Dover lernt man Alex Woods kennen, als er mit einer Urne auf dem Beifahrersitz und jeder Menge Gras im Handschuhfach im Auto sitzt und versucht, einen epileptischen Anfall aufzuhalten. Dabei liest es sich von Beginn an so, als hätte Alex wirklich gute Gründe für diese Situation, sodass man unbedingt erfahren möchte, wie er da nun hingekommen ist.

Gavin Extence schafft es mit seinem Erstling über eben diesen Woods, wie er später oft genannt wird, ein fantastisches Buch über Freundschaft, über das Erwachsen werden, über den zugehörigen Mut und über das Leben an sich zu inszenieren, das man nur schwer beiseite legen kann. Vor allem durch die Vielzahl ungeplanter Situationen, dieser Momente, in denen das Leben überrascht und einen mit einer neuen Herausforderung konfrontiert, machen dieses Buch so lesenswert.

Denn Alex passiert bis zur Auflösung der Grenzerfahrung so einiges – das skurrilste ist wohl, dass er mit zehn Jahren im heimischen Badezimmer von einem Meteorit am Kopf getroffen wird. Neben diesen planlosen, manchmal skurrilen und oft auch nachvollziehbar ehrlichen Momenten, schafft es Extence auch ruhige Situationen zu erschaffen, die einen auf dem Boden ankommen lassen und einem manchmal auch etwas beibringen, zum Beispiel den Unterschied zwischen Asteroiden und Meteoriten oder Epilepsie in all seinen Facetten. Im Verlauf des Buchs entwickelt man eigentlich für alle Charaktere, die einem begegnen, eine kleine Herzensschwäche. Begonnen mit Alex, der sehr naiv, aber auch sehr intelligent und nüchtern ist und ein riesiges Herz in sich trägt und den man trotz seiner teilweise obskur-logischen Denkensweise nur in das eigene schließen kann bis hin zu Mr. Peterson. Isaac, wie man erst spät erfährt, der vom verschlossenen, Gras rauchenden Einsiedler zum weisen Wegbegleiter wird und der genau wie Alex einen konsequenten Lernprozess durchläuft.

Gerade diese zu Beginn nur schwer möglich scheinende Verbindung zwischen Alex und dem alten Mr. Peterson macht Spaß zu lesen. Wie sehr sich völlig unterschiedliche Leben ineinander verweben können und sich ganz am Ende, als es um ein tatsächliches Ende geht, gegenseitig Kraft spenden und stützen ist beeindruckend zu lesen. Ihr Blick auf das Leben und Ihr Umgang mit herausfordernden Situationen bildet die Klammer um das ganze Buch: Freundschaft. Sie hält hier alles zusammen, sorgt für neue Impulse und ist in all Ihren Ausprägungen vorhanden und macht eines ganz klar: Alter, Historie, Glauben und Herkunft spielen für eine tiefe Verbundenheit zwischen zwei Menschen keine Rolle – wichtig ist die gemeinsame Zeit, die Erlebnisse darin und vor allem die Bereitschaft, immer wieder neu voneinander zu lernen.


Ein Buch rund um Freundschaft, erwachsen werden und erwachsen sein und das Leben mit all seinen kleinen und großen Facetten. Außerdem auch eins, wo der englische Titel ein bisschen besser passt: Alex Woods vs The Universe.

Die Verlagsgruppe Random House sagt dazu folgendes: Gavin Extence – Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

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