Die Sache mit dem Glück.

Neulich war ja der Tag des Glücks. Was mir an dem Tag gar nicht so bewusst war, vermutlich, weil ich an dem eher ziemlich unglücklich war. Nun heißt es ja aber oft „Glück ist, was du draus machst“. Als wäre es etwas zum anpacken. Geht aber doch gar nicht, Glück gibt es leider nirgends in großen Vorratsgläsern im Schnäppchenangebot zu kaufen.

Irgendwie also schon nachvollziehbar, dass die Vereinten Nationen diesen Tag ins Leben gerufen haben. Aber was jetzt? Jetzt war da also dieser Tag – ein Montag zudem – und jetzt wäre es DER eine Tag zum Glücklichsein gewesen? Und ich habe das nun also versemmelt, weil ich unglücklich war? Kann man überhaupt auf Kommando glücklich sein? Und gehört zum glücklich sein nicht mehr, als die reine Aufforderung dazu? Neben ganz individuellen Beweggründen, spielen da doch auch jede Menge Rahmenkriterien rein?

Beim Thema Glück liegt wahnsinnig viel im Auge des Betrachters, schlicht weil Glück ja etwas persönliches ist. Was für den einen ein kleines, mag für den nächsten ein großes Glückserlebnis sein. Ich glaube, dass es gilt, die kleinen Momente zu leben und aus Kleinigkeiten großes Glück zu erschaffen. Ich glaube daher nicht, das ich das volle Glückspaket benötige, um glücklich zu sein. Ich will viel lieber viele Kleine, die sich miteinander verweben und mich tragen. Glücksschicht auf Glücksschicht, wie mit den Papierbogen, die ineinander verzahnt plötzlich Tonnen von Gewicht aushalten. Im Bestfall fällt man so dann in den Momenten, in denen man sich glücklos fühlt auf eine tiefere, grundlegendere Schicht und nicht direkt mit dem Gesicht voraus auf den harten Beton. Oft mangelt es ja auch einfach an der Wahrnehmung vom grundlegenden Glück: Gesundheit zum Beispiel. Was für ein Glück es ist, durch die Nase zu atmen wird einem insbesondere in dem Moment bewusst, in dem es nach einer Erkältung erstmalig wieder möglich ist. Oder der erste Kaffee am Morgen: für mich als Kaffeejunkie ein großes Glück – darüber rastet aber außer meinem persönlichen morgendlich leeren Glücksstresor nun keiner wirklich aus. Diese Mini-Glücksmomente übergehen wir so dann einfach Tag für Tag, weil wir den großen nachjagen. Ist aber diese Tasse Kaffee weniger wert als anderes Glück? Gibt es überhaupt ein Glücksranking? Müssen wir denn alle Dauer-Glücklich sein? Oder macht nicht gerade dieser Gedanke viele von uns unglücklich? Hat gerade das dann nicht schon wieder mit Neid zu tun? Darf man neidisch auf das Glück der anderen sein? Laut Sprichwort ja nicht, weil laut dem ist ja jeder „seines Glückes Schmied“. Nach Forschung darf man ja aber schon neidisch sein, weil ein Teil von uns genetisch schon mal schlechter gefahren ist. Das habe ich nämlich gelesen am Tag des Glücks: das es ein Glücks-Gen gibt. Zumindest bei 50% der Menschen, das hat wohl die Forschung herausgefunden. „Na prima!“ dachte ich mir und stelle mir seitdem die Frage, was denn mit den 50% ohne Gen ist? Von Anfang an Pechvögel? Die müssen sich zur Zufriedenheit umorientieren? Oder einfach kapitulieren? Das ist ja eine generelle Frage, die ich mir stelle. Ist es überhaupt erstrebenswert, glücklich sein zu wollen? Hört das denn dann je auf, oder erreicht man irgendwann eine Art Glücks-Mount Everest und wenn man den bestiegen hat gibt es nichts höheres mehr? Ist Zufriedenheit daher eigentlich nicht viel erstrebenswerter, weil es mehr Konstanz bietet? Und ist Glück nicht eher mehr die Sahnehaube auf dem Eisbecher? Die dann halt aber eben auch am schnellsten weg ist? Und ist das dann nicht auch ok? Die war ja da, die Sahne, und manchmal hält sie auch für ein Weilchen – aber wenn sie weg ist, ist sie eben weg, da hilft es dann auch nichts, sich dann noch die Sprühdose verzweifelt in den Mund zu stecken und zu schauen, ob da doch noch was rauskommt.

Ein bisschen kommt es mir vor, als wären wir alle ein wenig „auf Glück“ – als würde das erwartet. Das man glücklich ist mit seinem Leben und dass Zufriedenheit das schlechtere und deshalb nicht erstrebenswert ist. Irgendwie aber auch klar, nachdem dieses Glück ja jetzt sogar ein eigenes Forschungsfeld (mit aus meiner Sicht nicht unbedingt glücklich machenden Erkenntnissen) ist. Ich glaube irgendwie eher, dass Glück haben Glückssache ist und kein Gen, das man hat oder eben nicht. Und ich glaube, dass Glück eine individuelle Sichtweise, in Abhängigkeit vieler Umstände ist. Und da sind zwei Punkte, die wir sehr wohl beeinflussen können: Sichtweise und Umstände. Daran kann jeder für sich arbeiten, daran kann jeder für sich forschen – Genpool hin oder her. Und das ist auch das, was ich vom Tag des Glücks mitnehme: den Forscherdrang zu meinem – ganz persönlichen – Glücks-Schmiede-Konzept.

#gethappyordietryin‘

Hinterlasse einen Kommentar